JARL - Jugendarbeit Region Luzern

Geschichte der JaRL

1980-er Jahre

In den 80-er Jahren trafen sich verschiedene Jugendarbeiter/innen der Region Luzern erstmals für einen gemeinsamen Fachaustausch. Zuerst wurde das lose Gremium JLT (Jugendtreffleiter/innen-Sitzung) genannt, später dann RJAS (Regionale Jugendarbeits-Sitzungen). Organisiert und geleitet wurden die ersten Sitzungen von den zwei Angestellten der städtischen Stelle AFJ Luzern (Arbeitsstelle für Jugendfragen). AFJ koordinierte und vernetzte damals die stadtluzerner Angebote im Jugendbereich und wurde von der Stiftung Jugendförderung getragen. Die Gründung dieser Stiftung ging aus einem Parlamentsbeschluss hervor als Reaktion auf Demonstrationen von jungen Leuten während den Musikfestwochen in den 70-er Jahren. AFJ erhielt den Auftrag, „etwas gegen Jugendprobleme zu unternehmen“. Diese ersten Sitzungen waren sehr theorieorientiert. Es nahmen jeweils zirka 15 Jugendarbeiter/innen aus zehn Institutionen teil. Der Anteil an ausgebildeten Jugendarbeiter/innen noch nicht so hoch wie heute und das Bedürfnis nach fachlichen Anregungen sehr gross. Zeitweise studierten die Mitglieder vor den Sitzungen 10-20 seitige Unterlagen, bereiteten sich engagiert auf die Diskussionen vor und gingen manchmal zusammen an Vorlesungen der Uni Zürich. Schon bald wurden sogenannte „Inforunden“ eingerichtet, wo über Aktuelles aus den verschiedenen Stellen berichtet wurde.

1990-er Jahre

Die Vernetzungssitzungen wurden im Turnus geleitet. Der losen Gruppierung fehlte eine offizielle Leitung. Es kamen immer mehr Stellen hinzu und die Info-Runden gingen immer länger und erfüllte das Bedürfnis nach Fachaustausch nicht mehr. In dieser Zeit begann die Gruppe, gegenseitig die Institutionen zu besuchen und von den Konzepten und Erfahrungen der andern zu profitieren.

Zwischen 1990 und 1995 wuchs die Gruppe konstant. Es entstanden erstmals Diskussionen, wie mit der Diskrepanz umzugehen sei, zwischen „alten Hasen“ und neu in der Jugendarbeit tätigen Leuten. Diese Frage wird bis heute behandelt und es wird immer wieder versucht, beiden gerecht zu werden.

Im Bereich der Ausbildung fand ende 80-er Jahre ein Wandel statt: Die Berufsausbildung „SoziokulturelleR Animator/in“ auf HFS-Stufe wurde nun in Luzern angeboten und trat an die Stelle der Ausbildung „Jugendarbeit“. Ende der 90-er Jahre wurde dieses Studium auf Fachhochschulstufe angehoben.

1992

Die Koordination der Sitzungen konnte nicht mehr weiter von AFJ übernommen werden, da die Projektphase dieser Stelle 1992 zu Ende ging, diese aufgrund eines Abschlussberichtes aufgelöst wurde und in die städtische Stelle des /der Kinder- und Jugendbeauftragten überging. Die RJAS erkannte die Notwendigkeit, dass eine Koordinationsstelle eingerichtet werden muss, um die Arbeit für das gemeindeübergreifende Gremium effizienter gestalten zu können. Im März 1992 beschloss die RJAS, die Kantonale Beauftragte für Jugendförderung um die Einrichtung einer Koordinationsstelle für Offene Jugendarbeit in der Region Luzern anzufragen. Laut ihrer Aussage war es jedoch aufgrund ihres Auftrages nicht möglich, die Koordinationsarbeit in ihre Tätigkeit einzubeziehen. So entschied sich die RJAS, ein zweijähriges Pilotprojekt zu initiieren und für diese Stelle 150 Stunden pro Jahr einzusetzen. Dies entspricht ca. 7 Stellenprozenten.

1993

1993 bat die RJAS die Kantonale Jugendförderung um Übernahme der Hälfte der Kosten für das Pilotprojekt. Dies wurde für zwei Jahre zugesichert. Dieses Pilotprojekt sollte vom Frühling 1994 bis Frühling 1996 dauern. Der Rest der Kosten wurde von den Mitgliedern übernommen. Es gab zwei verschiedene Arten von Mitgliedschaft: Eine Institution trat bei und der Beitrag wurde pro Tausend Einwohner/innen berechnet (ohne Sockelbeitrag). Es konnten jedoch auch Privatpersonen beitreten. Die RJAS entschied sich, einen Verein zu gründen und die Koordinationsstelle einer bestehenden Jugendarbeitsstelle anzugliedern.

1994

Vereinsgründung JaRL: Im März 1994 wurde der Verein Jugendarbeit Region Luzern (JaRL) gegründet, damit dieser resp. der Vereinsvorstand die Arbeitgeberfunktion gegenüber der Koordinationsstelle übernehmen konnte. Erstmals wurde ein Koordinator eingestellt. An den Generalversammlungen wurden damals schon Themen gesammelt, welche die Mitglieder interessierten, die dann vertieft behandelt wurden. Die immense Arbeit, diese Themen fürs Plenum aufzubereiten wurde bis zum Jahr 2001 zum grossen Teil von den Vorstandsmitgliedern und der Koordinationsstelle gemacht.

1995

Es wurde eine externe Fachperson beigezogen, die den Verein im Bereich Organisationsentwicklung unterstützte.
Drei Plenarsitzungen wurden für eine Zukunftswerkstatt eingesetzt. Dort arbeiteten alle Mitglieder an der Definition der Ziele und Absichten des Vereins. Bevor das zweijährige Pilotprojekt auslief, wurde die Kantonale Jugendförderung gebeten, weitere zwei Jahre die Koordinationsstelle zu unterstützen. Diese Verlängerung der Pilotphase bis 1998 wurde mit einer Auflage bewilligt. Die Mittel wurden an einen Auftrag geknüpft, der ausserhalb der regulären Aufgaben der Koordinationsstelle lag (Integration des „Luzerner Dschungelbuch- Infos für Jugendliche“ ins Internet)

1996

In Beratungsgesprächen und durch eine breite Umfrage mittels Fragebogen wurde 1996 festgestellt, dass eine Fachstelle für offene Jugendarbeit im Kanton Luzern sinnvoll wäre. Mit 60 Stellenprozenten könnten die nötigen, grundlegenden Vernetzungsaufgaben in der offenen Jugendarbeit und einen Teil inhaltliche Arbeit geleistet werden.
In der offenen Jugendarbeit konnte eine steigende Professionalisierung festgestellt werden; es wurden immer häufiger klare Konzepte für Institutionen der offenen Jugendarbeit erstellt und der Verein JaRL wurde von immer mehr Gemeinden und Stellen aufgesucht, um diesen neuen Ansprüchen besser gerecht werden zu können. Der Verein betrachtete eine zukünftige Fachstelle als Dienstleistungsstelle für Jugendarbeiter/innen und Arbeitgeber/innen im Kanton und als Initiierungsstelle für regionale Projekte. Ende 1996 wurde eine Konzeptskizze für eine solche Fachstelle erstellt. Zur Starthilfe für das erste Jahr wurden neben der Luzerner Jugendstiftung (ehemalige Stiftung Bruwald) und der kantonalen Jugendförderung drei weitere Stiftungen angefragt. In der Skizze sah der Aufbau der Fachstelle folgendermassen aus: 1997 sollte die Stelle mit 40 Stellenprozenten aufgebaut werden und dann sollte von 1998 bis 2002 mit 60 % die Konsolidierung stattfinden.

1997

Im Mai 1997 fand ein Treffen mit der kantonalen Beauftragten für Jugendförderung statt. Sie stellte ihren Tätigkeitsbereich im Vorstand vor. Im Vorstandsprotokoll dieser Sitzung ist zu lesen, dass dem Verein JaRL empfohlen wurde, Dienstleistungen zu verkaufen, mit denen viele Jugendliche zu erreichen sind und damit einen Leistungsausweis zu erbringen. Dieser Strategie wurde von der Jugendförderung mehr Erfolg prognosziert, als einer Dauerunterstützung einer Koordinations-/ Fachstelle durch den Kanton. Im Juni überprüfte die HFS auftragsmässig den Aufgabenbereich der kantonalen Beauftragten für Jugendförderung. Auch die JaRL-Mitglieder wurden dazu befragt. Der Verein JaRL entschied sich, mit diversen Projekten auf Auftragsbasis den Tatbeweis für die Notwendigkeit der geplanten Fachstelle zu erbringen. Es gab diesbezüglich auch einige Anfragen. Neben dem Dschungelbuch wurden auch für das Präventionsprojekt „funtasy“- Projektakquisitionen in der Zentralschweiz übernommen (wurde später wieder an funtasy ausgegliedert). Diese zeitlich befristeten Projekte wurden von der Migros, der Pro Juventute, der Luzerner Jugendstiftung und der Stelle für Jugendförderung finanziert. Im Jahresbericht 1997 schreibt der damalige Koordinator: „Regionale und stellenübergreifende Projekte, Problemlösungen und Trendbeobachtungen wären für eine effiziente Arbeit wichtig, doch niemand fühlt sich dafür verantwortlich...beinahe jede Stiftung möchte `konkrete Projekte von und mit Jugendlichen` unterstützen, Infrastruktur und fachliche Durchführungsbegleitungen würden bezahlt...Lohnkosten für eine Stelle, die im animatorischen Sinn die Rahmenbedingungen zur Eigeninitiative für Jugendliche schaffen würde, werden nicht bezahlt..“ Die längerfristige Finanzierung dieser Koordinationsaufgaben war also nach wie vor ungelöst.

1998

In diesem Jahr stand der Verein finanziell noch auf guten Füssen. Es musste jedoch ernüchtert festgestellt werden, dass schon bald das Geld ausgehen würde, nachdem die Projekte abgeschlossen waren. Der Wunsch nach einer festen Leistungsvereinbarung mit dem Kanton für die Koordinationsarbeit konnte bis anhin nicht umgesetzt werden.
Im Winter 1998 bot JaRL erstmals für alle Mitglieder ein Gefäss für eine gemeinsame dreitägige Klausur an. Es wurde sehr geschätzt, stellenbezogen und doch unter einem Dach arbeiten zu können und so immer wieder von Arbeitsmethoden und Erfahrungen der andern Mitglieder profitieren zu können. Seither wird die Klausur jedes Jahr von der Koordinationsstelle organisiert.

1999

Das Projekt Fachstelle musste als gescheitert betrachtet werden. Es konnte bis dato keine dauerhafte finanzielle Unterstützung gefunden werden. Die Koordinationsstelle musste die Aktivitäten auf die Kernaufgaben beschränken, das Projekt Fachstelle wurde vom Vorstand eingestellt. Es wurde klar, dass wenn nicht bald eine Lösung gefunden würde, der Verein aufgelöst werden musste, und das einzige Fachgremium für offene Jugendarbeit des Kantons respektive faktisch von 5 Innerschweizer Kantonen verschwinden würde. Die Mitgliederbeiträge wurden etwas erhöht. Diese Massnahme alleine konnte jedoch die Frage nach der Finanzierung nicht lösen. Wie bereits 1992 diskutiert, stellet der Verein sich vor, dass die Koordinationsaufgaben der offenen Jugendarbeit im Kanton Luzern (ca. 7- 10 Stellenprozente) von der Stelle der kantonalen Beauftragten für Jugendförderung übernommen werden könnten.

2000

Der Vorstand erhielt von der Generalversammlung den Auftrag, mit der kantonalen Jugendförderung in Verhandlung zu treten, um Lösungen für die finanziellen Probleme zu finden. An diversen Sitzungen mit der kantonalen Beauftragten für Jugendförderung wurden verschiedene Szenarien erarbeitet und studiert, wobei festgestellt wurde, dass zwischen ihren und den Vorstellungen des Vereines JaRL nicht grosse Differenzen bestanden.

2001

Im März 2001 konnte eine Einigkeit erzielt werden. Es wurde zusammen mit der kantonalen Beauftragten für Jugendförderung beschlossen, dass

  • die Rechtsform „Verein“ beibehalten wird
  • die Statuten des Vereins JaRL abgeändert werden mit dem Zusatz, dass die kant. Beauftragte für Jugendförderung Einsitz im Vorstand der JaRL hat und an den JaRL-Sitzungen teilnimmt
  • diese Zusammenarbeit im Pflichtenheft der kant. Beauftragten für Jugendförderung festgehalten wird
  • der Kanton die Mitgliederbeiträge der Luzerner Jugendtreffs, bzw. der Gemeinden (bis zu einem jährlichen Maximum von 9000.-) verdoppelt

die Geschäftsstelle der JaRL wie bis anhin von einem speziell dafür beauftragten Mitglied des Vereins geführt wird.
Die Finanzierung des Vereines war vorderhand gesichert. Die Koordinationsstelle konnte mit 10 Stellenprozenten budgetiert werden. Seit 2001 werden die Inhalte der Plenarsitzungen von den Mitgliedern mitgestaltet. Diese Massnahme trägt den Bedürfnissen der einzelnen Mitglieder Rechnung und entlastet den ehrenamtlichen Vorstand. An den Generalversammlungen werden die gewünschten Themen gesammelt und die Mitglieder bereiten in Arbeitsgruppen einmal pro Jahr einen Input vor. Die Qualität der Beiträge ist erfreulich hoch und wird angestrebt. Nach Möglichkeit werden Fachreferent/innen beigezogen. Für Behörden und Verwaltung ist der Verein JaRL über all die Jahre ein Begriff geworden. Oft wird der Verein in Vernehmlassungsverfahren ein bezogen und gebeten, zu geplanten Massnahmen die Jugendliche betreffen, Stellung zu beziehen (z.B. zum kant. Strategiepapier gegen Rechtsextremismus, Stellungnahme zum Projekt „Mediator/innen-Einsatz“ des Sicherheitsdepartementes, etc.).

2002 / 2003

Im Herbst 2002 wurde der nationale Dachverband offene Jugendarbeit (doj) gegründet. Erstmals gab es einen nationalen Verband, der sich Themen der offenen Jugendarbeit annimmt. Einzelne JaRL-Mitglieder, vor allem die damalige Koordinatorin haben zur Entstehung von doj beigetragen. Das Bundesamt für Kultur und die Gesundheitsförderung CH unterstützen den Verband finanziell. Einzelne JaRL-Mitglieder sind bereits Mitglied von doj geworden und können so von speziellen Dienstleistungen profitieren. Seit März 2004 besteht die Möglichkeit, dass auch der Verein JaRL als Ganzes Mitglied des Dachverbandes werden könnte. Es gelangten immer mehr interessierte Gemeinden an den Verein JaRL. Die Mitgliedschaft wird seit 2002 durch eine Beitrittserklärung bekundet. Ein paar Fragen, mit denen sich der Verein JaRL in Bezug auf Mitgliedschaft und Qualität beschäftigt:

  • kann die Mitfinanzierung durch den Kanton Luzern weiterhin gewährleistet werden?
  • Welche Mitgliedschafts-Kriterien gelten für Stellen, die von der Kirche (mit-) finanziert werden?
  • Können weiterhin auch Stellen aus den Kantonen Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden aufgenommen werden? Müssten auch diese Kantone in die Verantwortung genommen werden, wenn es um die Finanzierung geht? Die Zahl der Mitglieder hat sich permanent vergrössert.
  • Mit der wachsenden Zahl der Mitglieder wächst auch der Aufwand für die Koordinationsarbeit. Wie kann die Erfüllung der Aufgaben gewährleistet werden?
  • Es ist unmöglich, dass die Koordinationsstelle mit 10 Stellenprozenten Arbeitgeber/innen oder Arbeitnehmer/innen im Bereich Konzeptentwicklung unterstützen kann. Wie kann jedoch die Qualität der offenen Jugendarbeit verbessert werden und wer kann diese Entwicklung unterstützen und vorantreiben?
  • Durch den vermehrten Beizug von Referent/innen an den Plenarsitzungen können auch berufserfahrene Mitglieder vom Verein profitieren. Wie können diese Inputs finanziert werden?
  • Wie kann Wissen gesichert und zugänglich gemacht werden, das an Plenarsitzungen erarbeitet oder präsentiert wird?
  • Wie kann die Öffentlichkeit vermehrt für Jugendthemen und Jugendanliegen sensibilisiert werden?

2004

Im März 2004 wird der Verein JaRL 10 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern und für einen Rück- und Ausblick. Dank vieler engagierter Mitglieder, die ehrenamtlich und innerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit zur Entwicklung des Vereins beigetragen haben, ist JaRL heute zu einer wichtigen (und einzigen) Organisation geworden, die dem fachlichen Austausch und der Vernetzung der offenen Jugendarbeit in der Region Luzern dient und eine Plattform bietet, wo Projekte im Bereich der offenen Jugendarbeit initiiert und gemeinsam durchgeführt werden.

Quellen

  • Jahresberichte
  • Gespräche mit
    - Thomas Kost und Georgio Wyss (Gründungsmitglieder JaRL)
    - Marie-Theres Schwegler (ehemals Stelleninhaberin AFJ)
    - Heinz Wettstein (ehemals Präsident Jugendkommission Stadt Luzern, ehemals Präsident der Stiftung  Jugendförderung)